N4 – Unsere Medienbiografie
Autoren: Ben Schreiner / Oliver Stanislowski
Unsere Medienbiografie prägt einen Teil dessen, was wir in jedem Moment wahrnehmen. Wir haben Geschichten erlebt und erzählen einiges weiter, mit dem wir in Verbindung zueinander gehen.
Wie wir uns erinnern, was uns berührt und welche Werte wir mit den Medien verbinden, die uns angezogen haben. Dieses Modul lädt dazu ein, die eigene Mediengeschichte zu erkunden: Welche Bilder, Klänge, Geräte, Figuren, Rituale und Formate haben uns begleitet? Was davon wirkt bis heute nach?
Der Guide verbindet spielerische Zugänge mit Reflexion, Austausch und kreativer Inszenierung. Dabei kommen Elemente aus Rollenspiel, Theater, Biografiearbeit und Medienkompetenz zusammen. Ziel ist nicht nur ein nostalgischer Rückblick, sondern ein besseres Verständnis dafür, wie Medien unsere Sichtweisen, Beziehungen und Entscheidungen mitformen.
Das Thema ist pädagogisch sehr anschlussfähig: Kinder und Jugendliche wachsen heute früh und intensiv mit Medien auf. Die KIM-Studie 2024 zeigt, dass 54 % der online aktiven Kinder das Internet täglich nutzen; bei den 8- bis 9-Jährigen hat sich dieser Anteil gegenüber 2022 fast verdoppelt. Gleichzeitig zeigt die JIM-Studie 2024, dass auch neue digitale Praktiken längst Teil des Alltags geworden sind: 62 % der Jugendlichen nutzen KI-Anwendungen.

Willkommen!
1) Was ist das?
Das Willkommens-Video eröffnet den Guide und führt in die Leitidee der Medienbiografie ein. Es lädt die Teilnehmenden dazu ein, Medien nicht nur als Technik oder Inhalte zu betrachten, sondern als Teil der eigenen Geschichte.
2) Warum ist das interessant?
Welche Medien haben dich geprägt? Welche Bilder, Stimmen, Geräte oder Geschichten gehören zu deinem Aufwachsen? In diesem Guide gehst du auf eine kleine Reise durch deine eigene Medienbiografie. Du erinnerst dich, vergleichst, erzählst, spielst und hörst anderen zu. So wird sichtbar, wie Medien unsere Werte, Vorlieben, Beziehungen und Perspektiven mitgestalten.
Game Nr.1: Dies oder jenes?
1) Was ist das?
Die Teilnehmenden entscheiden sich jeweils zwischen zwei Begriffen, Medienfiguren, Geräten oder kulturellen Symbolen.
Zum Beispiel:
- CD oder Kassette?
- Schwarzenegger oder Hasselhoff?
- Game Boy oder Tablet?
- Radio oder Spotify?
- Disney oder Anime?
2) Warum ist das interessant?
Das Spiel macht sichtbar, dass Medienerfahrungen generationell, biografisch und kulturell geprägt sind.
Schon einfache Entscheidungen öffnen Gespräche über Zugehörigkeit, Geschmack, Werte und Zeitgefühl.
3) So geht’s!
Die Begriffe werden nacheinander gezeigt oder vorgelesen.
Die Teilnehmenden wählen spontan eine Seite, positionieren sich im Raum oder stimmen mit Karten, Handzeichen oder digital ab. Danach folgt jeweils ein kurzer Austausch:
- Warum diese Wahl?
- Welche Erinnerung oder Stimmung hängen daran?
4) Was kann daraus entstehen?
Für Klassen als Bewegungsspiel im Raum.
Für Fortbildungen als Icebreaker.
Für Einzelarbeit als Reflexionsbogen oder digitales Formular.
Game Nr.2: Der Medien-Rucksack
1) Was ist das?
Jede Person wählt einige Gegenstände aus, die mit ihrer eigenen Mediengeschichte verbunden sind. Das können reale Objekte oder symbolische Dinge sein: ein altes Handy, ein USB-Stick, Kopfhörer, eine Kassette, ein Buch, eine Spielefigur, ein Foto, ein Screenshot, eine Zeitschrift oder auch ein selbst gemaltes Symbol.
2) Warum ist das interessant?
Die Teilnehmenden stellen ihren „Media-Bag“ zusammen und wählen 3 bis 5 Objekte aus. Anschließend erzählen sie in Kleingruppen oder im Plenum, warum diese Dinge wichtig sind. Leitfragen können sein:
- Welche Erinnerung verbindest du damit?
- Was sagt dieses Objekt über dich aus?
- Was hat dieses Medium dir ermöglicht?
- Woran glaubtest du damals? Und wie siehst du es heute?
3) Pädagogischer Mehrwert
Das Spiel verbindet Erinnerung, Sprache, Identität und Medienbewusstsein. Es eignet sich besonders gut für empathischen Austausch und für die Verbindung von Medienpädagogik mit Theater, Erzählung oder Rollenarbeit.
4) Was kann daraus entstehen?
Eine Person spricht aus Sicht des Gegenstands.
Beispiel: „Ich bin dein erster MP3-Player. Mit mir hast du zum ersten Mal Musik allein gehört.“
Game Nr.3: Pixelbilder – Was erkennst du?
1) Was ist das?
Ein Bild wird stark verpixelt gezeigt. Die Gruppe versucht zu erraten, was oder wer sich dahinter verbirgt. Danach wird aufgelöst und besprochen, warum manche Bilder sofort erkannt werden und andere nicht.
2) Warum ist das interessant?
Dieses Spiel öffnet den Blick dafür, wie stark visuelle Erinnerung funktioniert. Ikonische Bilder, Figuren oder Gegenstände aus der eigenen Medienbiografie werden häufig schon mit wenigen Hinweisen erkannt. Dadurch entsteht ein Gespräch über Wiedererkennung, kulturelle Codes und kollektive Erinnerung.
3) So geht’s!
Die Teilnehmenden erstellen später selbst eigene Pixelbilder aus Medienobjekten oder Symbolen ihrer Vergangenheit. So werden sie nicht nur zu Ratenden, sondern auch zu Gestaltenden.
Passendes Beispielmaterial:
Die Naturparkschoul stellt ein Ratespiel mit Pixelbildern bereit und beschreibt auch, wie Lernende mit lizenzfreien Bildern und einem einfachen Browsertool eigene verpixelte Rätsel in verschiedenen Schwierigkeitsstufen erstellen können.
Coffee and Tea Corner
Was ist das?
Die Coffee and Tea Corner ist als offener Raum gedacht: zum Nachdenken, Weiterreden, Hören, Lesen und Stöbern. Hier müssen nicht alle alles machen. Vielmehr geht es darum, unterschiedliche Zugänge zur Medienbiografie anzubieten.
Mögliche Elemente:
• Arbeitsblätter zur persönlichen Reflexion
• Gesprächskarten
• Hörstation mit Audiofiles
• Links zu Studien und Materialien
• Impulsfragen für Tandems oder Kleingruppen
• stille Schreibzeit: „Meine Medienbiografie in 10 Stationen“
Mögliche Reflexionsfragen:
• Welche Medien haben mir Sicherheit gegeben?
• Welche Medien haben mein Bild von Erfolg, Freundschaft oder Liebe beeinflusst?
• Welche Stimmen, Slogans oder Sounds trage ich noch heute in mir?
• Welche Medien aus meiner Kindheit würde ich heute anders bewerten?
• Was möchte ich weitergeben – und was nicht?
Hintergrund für Reflexion und Medienkompetenz
KIM-Studie
Die KIM-Studie ist die etablierte Basisstudie zum Medienumgang von Kindern von 6 bis 13 Jahren und eignet sich gut als Hintergrund für pädagogische Einordnung.
JIM-Studie
Die JIM-Studie wird seit 1998 jährlich durchgeführt und bietet eine solide Grundlage für die Diskussion mit älteren Lernenden oder in der Erwachsenenbildung.
klicksafe – Medien und Materialien für Pädagog*innen
Das ist eine gute Sammelseite, wenn ihr noch zusätzliche Arbeitsblätter oder thematische Vertiefungen ergänzen wollt.
klicksafe – Medienpädagogik in der Grundschule
Für jüngere Zielgruppen hilfreich, weil dort Basisziele und Praxisbezüge für frühe Medienbildung aufgegriffen werden.
12 Einheiten Medienkompetenz für die Grundschule
Gute Fundgrube für begleitende Arbeitsblätter und kleine methodische Bausteine.
Für Gespräch, Videoarbeit und Hörimpulse
bpb – Gespräche zu Videos gestalten
Die Handreichung betont Anschlusskommunikation als Schlüsselmoment und passt daher gut zu eurem videobasierten Aufbau.
Handysektor
Werbefreies Jugendangebot zum kompetenten Umgang mit mobilen Medien; eher als Ergänzung für ältere Lernende.
Bibliografie
Bernward Hoffmann (2022): Biografiearbeit in der Medienpädagogik: Theorie, Praxis und Generationen im Dialog.
- Fundort: Auszug aus dem Sammelwerk.
Sven Kommer (2013): Das Konzept des ‘Medialen Habitus’: Ausgehend von Bourdieus Habitustheorie Varianten des Medienumgangs analysieren. In: Medienimpulse, Jg. 51, Nr. 4.
Bernward Hoffmann (2022): IV. Perspektiven medienpädagogischer Praxis. In: Hoffmann, B. (Hrsg.): Biografiearbeit in der Medienpädagogik.
- Fundort: Inlibra / Auszug.
Ricarda Bolten-Bühler (2021): Medialer Habitus von Lehrenden in der Erwachsenenbildung. Biografische Analysen medienpädagogischer Professionalisierung. Bielefeld: wbv Media.
Anu Pöyskö (2022): Medienbiografie in der Medienpädagogik: Brücke zwischen Generationen?. In: Hoffmann, B. (Hrsg.): Biografiearbeit in der Medienpädagogik.
- Fundort: Inlibra / Auszug.
Anu Pöyskö (2009): Medienbiographie – ein Leben voller Medien. In: Magazin erwachsenenbildung.at, Ausgabe
Anu Pöyskö (2009): Medienbiographie – ein Leben voller Medien.
Lehrerweb.wien (o. J.): Medienpädagogik offline: Das eigene Medienverhalten reflektieren.
- Link: Lehrer:innen-Web | Home
Christian Swertz (2017): Medienpädagogische Vorschläge für eine konstruktive Interpretation von Medienbiografien. In: Medienimpulse, 55(3).
Elementary Education Online (2021): Psychological and pedagogical conditions for the development of students’ media competence.
- Fundort: Wissenschaftlicher Artikel (Auszug).
Ruth Ayaß / Jörg Bergmann (Hrsg.) (2011): Qualitative Methoden der Medienforschung. Mannheim: Verlag für Gesprächsforschung.